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Leseprobe aus den Erotic Short Stories »BarLust«

Olaf Trint & Anja Labussek

Die Cocktailkirsche


Nur wenige Menschen wissen, dass es Cocktailkirschen gibt, die über telepathische Fähigkeiten verfügen. Armand war eine davon und zierte einen »Sex on the Beach«. Zusammen mit einem Stück Ananas und einer Kiwischeibe, die beide übersinnlich völlig unbegabt waren, steckte er auf einem Holzstäbchen und bildete die Garnierung.

Soeben war der Cocktail serviert worden und Armand schlich sich in das Bewusstsein des jungen Mannes, der bemüht lässig am Tresen der Strandbar lehnte. Dieser nahm nicht nur das Cocktailglas wohlwollend in Augenschein, sondern vor allem die brünette Schönheit, die sich gerade neben ihn stellte. Wellenrauschen und ein funkelnder Sternenhimmel sorgten für das passende Ambiente und Armand begriff, dass der Name des Cocktails dem Jüngling nur zu gerne Programm gewesen wäre.

Deutlich spürte er dessen gespannte Erwartung. Er hieß Erik und das passte, erinnerte er mit seinen kräftigen Oberarmen und dem dichten blonden Haar doch an einen Wikinger. Aber unglaublicherweise – Armand hätte am liebsten losgekichert, wäre er dazu anatomisch in der Lage gewesen – war Erik furchtbar schüchtern. Er traute sich nicht, die gut aussehende Unbekannte anzusprechen, obwohl sie ihm gleich eine ganze Reihe auffordernder Blicke zuwarf.
Was für ein Trottel, dachte Armand. Der hatte einfach keinen Plan, wie das Häschen lief. Dann würde er sich die Lady eben selbst angeln. Auch als Kirsche hatte man schließlich ein Recht auf Spaß. Sein oberstes Ziel bestand darin, genüsslich vernascht zu werden, doch bis es dazu kam, sprach nichts dagegen, sich zu amüsieren. Und wenn er es irgendwie schaffte, in den Ausschnitt dieses bezaubernden Wesens zu gelangen und an den atemberaubenden Rundungen vorbei in die Tiefen des Kleides vorzudringen, war für Stimmung auf jeden Fall gesorgt.

»He, Erik.« Er drängte sich in die Gedankenwelt des verklemmten Blonden, in der dessen Hände gerade über zarte, weibliche Haut strichen. »Wie ist es denn so um deine Wurfkünste bestellt?«
Der Junge zuckte zusammen und verschluckte sich an seinem Getränk. Fremde Stimmen in seinem Kopf war er offenbar nicht gewohnt.

Ein explosionsartiges Husten übertönte kurzfristig die Reggae-Klänge aus den Lautsprecherboxen neben der Bar. Himmel, dachte Armand, der ist aber schnell aus dem Konzept zu bringen! Eriks Reaktion ließ befürchten, dass er sogar mit telepathischer Nachhilfe zu schüchtern sein würde, um die Cocktailkirsche vom Holzstäbchen zu nehmen und sie zielgenau in das wohlgeformte Dekolleté der Schönen zu werfen. Doch ehe Armand Zeit hatte, über Plan B nachzudenken, funkte ihm schon die Brünette dazwischen.

»Zu hastig getrunken, was?« Ihre Stimme perlte, die dunklen Augen blitzten und konnten einen Hauch von Belustigung nicht verhehlen. »Ja, dieser Drink hat’s in sich, kein Wunder bei seinem Namen ...«
Erik war rot angelaufen, brachte kein Wort heraus.
»Sie gestatten?« Ehe Armand sich versah, wurde er von zwei schlanken Fingern ergriffen und von Ananas und Kiwischeibe getrennt. Die Schöne lachte den Wikinger an: »Cocktailkirschen sind nicht nur äußerst süße und verführerische Früchtchen, sie sind auch ein Geheimrezept gegen plötzliche Hustenattacken.«

Hoppla, die geht ja ran, dachte Armand. Mit ihrer forschen Art hatte sie nicht nur Erik überrumpelt, sondern auch ihn. Sie war bestimmt ein durchtriebenes Biest, das irgendetwas im Schilde führte. Und warum erzählte sie diesen Quatsch über Hustengegenmittel? Bevor er von ihr oder dem Wikinger zerkaut und dann verschluckt wurde, wollte er wissen, was hinter ihrem Verhalten steckte.
Armand klinkte sich in ihr Bewusstsein ein und erlebte eine faustdicke Überraschung. Er hatte mit zügellosen Sexfantasien gerechnet oder mit einem raffinierten Plan, der Erik hinters Licht führen sollte.
»Hallo«, wurde er stattdessen von einem Gedanken begrüßt. »Ich heiße Nina, bin metaphysische Cocktailkirschen-Forscherin und habe keineswegs vor, dich jetzt schon zu verspeisen.«
»Äh ...« Armand verschlug es die mentale Sprache.
»Und nun werde ich dir demonstrieren, wie man mit deinesgleichen eine Hustenattacke kuriert.«

Nina ließ Armand in ihren Ausschnitt gleiten.
»Wenn Sie aufhören zu husten«, meinte sie zu Erik, »dürfen Sie versuchen, die Kirsche wieder herauszufischen.«
Wie paralysiert starrte der Wikinger erst auf das rot glänzende Früchtchen und dann auf Ninas Brüste. Armand kullerte das Dekolleté hinunter. Zwei sanfte Hügel erhoben sich vor ihm, gekrönt von üppigen, aufgerichteten Spitzen, die ihn andächtig staunen ließen. Dazwischen eine weiche Furche, die seine Fahrt bremste und schließlich stoppte. Geborgen lag Armand da, umhüllt von samtiger Haut, eingelullt von einem Duftgemisch aus Sonnencreme, Meersalz und frischem Schweiß. Gerne hätte er wohlig geseufzt, wenn er gekonnt hätte – doch dann besann er sich.

Was ging hier eigentlich vor? Was heckte diese Nina aus, wie verhielt sich Erik dazu und welche Rolle spielte er, Armand, in ihrem Plan? Fragen über Fragen, deren Antworten sich für eine laszive Cocktailkirsche kurz vor der Erfüllung ihrer Wünsche nicht einfach gestalteten. Mit Mühe bezwang Armand seine wollüstigen Fantasien und schlich sich wieder in das Bewusstsein des verklemmten Wikingers. »Na los, nun mach schon, wenn sie dir die Einladung geradezu auf dem Silbertablett serviert«, flüsterte er ihm ein.

»Soll ich wirklich ...?« Erik blickte sich verunsichert nach allen Seiten um. Aber außer ihm und der zauberhaften Brünetten gab es keine weiteren Gäste in der Strandbar und der Barkeeper hantierte hinter dem Tresen mit Gläsern und Flaschen und achtete nicht auf ihn. Zögernd streckte Erik seinen Arm aus.
Nina griff danach und zog ihn zu sich heran. »Nicht so zaghaft, Kleiner!« Sie führte seine Hand in den Ausschnitt. »Und kümmere dich nicht sofort um die Kirsche. Die kann warten. Ich aber nicht!«
Mit einem erregten Keuchen schlang sie ihre Arme um Eriks Hals. Gleichzeitig schob sich ihr Schenkel in seinen Schritt und vollführte dort reibende Bewegungen. Ihr Rücken bog sich nach hinten, um den Zugang zu ihren Kostbarkeiten zu erleichtern.
»Aber ... ich kann doch nicht ...«, stotterte Erik, »das geht ...«
»Los! Tu es endlich!« Das kam nicht nur von Nina. Auch Armand rief es in Eriks Gedanken hinein.
»Bitte! Berühre mich! Verführe mich! Ich will verwöhnt werden! Zeig mir, was für ein toller Liebhaber du bist!« Sie packte Erik am Hemdkragen und schüttelte ihn. »Sei ein Mann und gib mir, was ich brauche! Jetzt!«
Erik war völlig perplex und auch Armand konnte es nicht fassen. Der Barkeeper bereitete dem Spuk ein Ende.
»Ok, das reicht jetzt.« Er holte ein Funkgerät unter dem Tresen hervor und sprach hinein: »Es ist außer Kontrolle geraten, wir müssen abbrechen.«
Zwei Männer tauchten auf und trennten Nina und Erik voneinander. Einer von ihnen trug Latexhandschuhe und befreite Armand ungeniert aus seiner delikaten Lage.

»Alles in Ordnung, Dr. Bohrmann?«
»Ja, es geht wieder«, antwortete Nina schwer atmend. »Sie sind noch nicht ganz marktreif. Die Verhaltensausrichtung muss korrigiert werden und außerdem treten unerwartete Nebenwirkungen auf den weiblichen Organismus auf.«
»He, das mit den Nebenwirkungen stimmt doch gar nicht!«, protestierte Armand. »Ich hatte nichts mit deinen ausschweifenden ...«
Nina nahm ihrem Assistenten die Kirsche ab und steckte sie in den Mund. »Aber sie schmecken köstlich.«


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