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Leseprobe aus den Erotic Short Stories »ReiseLust«

Martina Moritz

Ballo Tiepolo


Ich stand im Speisesaal des Palazzo Pitani Mosetta, verkleidet als Pierrot, und betrachtete staunend die bunt gekleideten Fabelwesen, die lachend und schwatzend an den silbergedeckten Tischen saßen. Wie oft hatten Viola und ich von dieser Reise geschwärmt, von den Gondeln, von der Piazza San Marco, von den Masken und den Menschen, die unter diesen Masken steckten und von denen man nicht wusste, was sie hinter diesen Masken verbargen. Da war ich nun, auf dem »Ballo Tiepolo«, dem berühmtesten Karnevalsball Venedigs, und kam mir vor, als wäre ich mitten ins achtzehnte Jahrhundert gesprungen.
Seufzend ließ ich meine Blicke über die Muranolüster schweifen, die unter den Deckenfresken alter italienischer Meister den Charme vergangener Epochen verströmten. Ich nahm mein Champagnerglas, nippte am Dom Pérignon, und stellte fest, dass ich Viola nicht mehr vermisste. Erleichtert verließ ich den Raum, um im Garten, der einen Stock tiefer lag, ein wenig Luft zu schnappen.
Als ich das Treiben auf der Barocktreppe sah, hielt ich inne. Lächelnd betrachtete ich die Szenen. Der Abend war jung, er hatte gerade erst seine Netze ausgeworfen, doch schon umgarnten die Strahlen einer gelb gekleideten Sonnenfrau einen weiß schimmernden Mondmann. Weiter unten, auf einer der Marmorstufen, saß ein Hexenmeister im dunkelblauen Samtgewand und bezirzte eine hübsche, ranke Efeupflanze. Ich stieg die Treppe hinunter, vorbei an Sonne, Mond und Efeu, und blieb wie angewurzelt stehen. Dort unten, am Fuße des Treppenabsatzes, stand mein weibliches Pendant und prostete mir zu.
Verblüfft betrachtete ich meine hübsche Entdeckung. Über einem weißen Baumwollkleid, das nach unten wie eine Glocke aufsprang, trug sie ein nach vorn geschnürtes schwarz-weißes Mieder. Die Ärmel des Kleides und die Kante des Rocksaumes waren mit weißer Spitze umsäumt, auf dem Kopf trug sie einen Hut, der wie eine Eistüte auf ihrem rotblonden Haar saß. Ihre Füße steckten in schwarzen Satinschuhen, die denen einer Ballerina ähnelten.
»Sie sehen richtig, mein Freund, ich bin es, Ihre Pierrette«, rief sie mit einer Stimme, die mich an samtweichen Bordeaux erinnerte. »Lassen Sie mich raten. Sie kommen aus Frankreich, verstehen meine Sprache nicht und halten mich für eine Schauspielerin der Commedia dell’Arte.«
Sie beugte sich nach vorn, dass ich die Wölbungen ihrer Brüste sehen konnte und sah mich aufmerksam an.
»Sie irren, Verehrteste«, sagte ich, während ich meinen Hut abnahm und mich ebenfalls verbeugte.
»Verraten Sie es nicht«, rief sie und legte ihren Zeigefinger auf die brombeerroten Lippen. »Ich will es nicht wissen, nicht heute Abend. Sie wissen doch – im Karneval verkleidet sich der Edelmann als Bettler und die Zofe als Königin. Alles steht auf dem Kopf, die Welt eingeschlossen.«
»Dann gewähren Sie mir wenigstens einen Tanz«, sagte ich und nahm ihr das Getränk ab, um es einem Kellner, der an uns vorbeieilte, aufs Tablett zu stellen.
»Fällt Ihnen nichts Besseres ein als tanzen?«, fragte sie, raffte ihren Rock zusammen und lief die Treppen hinauf, um mir vom obersten Absatz zuzuwinken. Ohne zu zögern, folgte ich ihr, eilte durch Gänge, Säle und dunkle Ecken, um schließlich schweratmend vor einer unscheinbaren Tür stehen zu bleiben.
»Jetzt bin ich aber gespannt«, sagte ich, während ich das Messingschild betrachtete, auf dem in schnörkellosen Lettern »Sala Della Musica« stand.
Pierrette zog einen Schlüssel aus einer unsichtbaren Tasche ihres Rockes und sperrte die Türe auf. Licht flammte auf. Wortlos sah ich mich um. Verschiedene Violinen, eine Harfe, ein Cembalo und zwei Instrumente, die wie überdimensionale Geigen aussahen, füllten den Raum. An der Wand gegenüber standen ein lachsfarbenes Sofa und zwei Sessel, die einen zierlichen Barocktisch umrahmten. Pierrette schlenderte zur Harfe, ihr weißer Rock wippte wie ein Segel in einer Meeresbrise, und legte ihre Finger auf die Saiten. Ich stellte mich hinter sie, packte sie bei den Schultern und drehte sie zu mir. Sie sah mich an, mit grünen Augen, in denen gelbe Sprenkel tanzten, und legte den Kopf schief.
»Wir sind nicht hergekommen, um Musik zu machen, oder?«, fragte ich. Meine Stimme klang belegt. Ich ließ meine Hände über ihren Nacken und ihre Schulterblätter gleiten und malte mit gespreizten Fingern kleine Muster auf ihren Rücken. Pierrette lachte, wand sich aus meiner Umarmung und ließ sich auf das lachsfarbene Sofa fallen.
»Wollen Sie wissen, warum Sie hier sind, mein Pierrot?«, fragte sie, während sie den Hut abnahm und ihren Rock glatt strich, der sich wie eine Wolkenberglandschaft aus Baumwolle und Tüll auf dem Sofa türmte.
»Direkt hier, auf diesem Sofa, verführte der venezianische Maler Tiepolo die Ehefrau seines Auftraggebers Pitani. Pitani erwischte die beiden und drohte Tiepolo, ihn zu erschießen. Vorher aber musste Tiepolo unter der Aufsicht des eifersüchtigen Pitani seine Fresken unten im Speisesaal beenden. Stellen Sie sich vor, sie hätten bei der Arbeit immer eine Pistole im Nacken!«
Pierrette fuhr sich mit den Händen durch das rotblonde Haar, warf den Kopf in den Nacken und lachte.
»Dann sind die Deckenfresken im Speisezimmer ja auf abenteuerliche Art entstanden«, sagte ich, beugte mich über sie und legte meine Arme um ihre Taille. Sie öffnete die Lippen, tastete mit ihrer Zunge nach meinem Gaumen und leckte über meine Zähne. Unsere Zungen verhakten sich ineinander wie die Reißverschlusszahnung eines Anoraks. Mit zitternden Fingern zog ich die Samtbänder ihres Mieders durch die Ösen. Vorsichtig schälte ich sie aus ihrem spitzenbesetzten Oberteil. Wie eine Frucht, dessen Schale ich geöffnet hatte, lag Pierrettes Fleisch weiß und zart vor mir.
Ich umfasste ihre Brüste, senkte meinen Kopf und ließ meine Zunge über die dunklen Höfe ihrer Brustwarzen kreisen, um gleich darauf an ihren blühenden Knospen zu saugen. Sanft fuhren meine Hände unter ihren Rock. Mit meinen Fingerkuppen erforschte ich ihren Bauchnabel und ihre Oberschenkel. Ich nahm meinen Zeigefinger, fuhr durch ihren rotblond gelockten Wald, glitt hinunter in ihre feuchte Spalte, und rieb mit rhythmischen Bewegungen über ihr zuckendes, dunkelrotes Fähnchen. Ihre Fingernägel krallten sich in mein Seidenhemd, wie ein Schwarm Bienen bebte ihr Brustkorb, laut stöhnend ballte sie ihre Hände zu Fäusten.
Eine Haarsträhne klebte auf ihrer Stirn, als sie meinen Kopf zu sich zog. Ich vergrub mein Gesicht in ihrer Halsbeuge, ihre Haut duftete nach Zimt und Lavendel, zärtlich folgten meine Finger den Leberflecken, die wie Sternenbilder auf ihrer Bauchdecke prangten.
Nach einer Weile stand sie auf, umrundete das Sofa, legte ihre Hände auf die goldglänzende Lehne und bog ihren Rücken nach vorn. Der Seidenstoff ihres Rockes raschelte wie ein knisternder Holzscheit, als ich ihn hochschob. Fasziniert klebte mein Blick an der Furche ihres Hinterns. Ich legte meine Hände auf ihren Rücken, presste ihren Oberkörper auf die Lehne, dass ihr Hintern wie zwei überdimensionale Honigmelonen in der Luft schwebte und schob mein Becken über ihren Unterleib.
Ein leises Quietschen ließ mich innehalten. Irritiert blickte ich auf. Dann sah ich, wie die Tür zum Musikzimmer aufgestoßen wurde. Ein Lufthauch streifte meine Wangen. Jemand schaute ins Zimmer, kicherte, dann wurde die Tür zugezogen. Pierrette lachte.
»Da hatte jemand die gleiche Idee, mein Pierrot«, sagte sie und eilte zur Tür, um sie sorgfältig abzuschließen.
»Und was machen wir nun?«, fragte sie. Mit wiegenden Schritten kam sie auf mich zu. Ihre Hände glitten über meine Brust, streiften meinen Rücken, umfassten meinen Po. Ein Schauer breitete sich wellengleich in meinem Körper aus. Ich packte ihre Handgelenke, beugte meinen Kopf zu ihr hinunter und presste meine Lippen auf die milchigweiße Haut ihres Halses.
»Die Nacht ist lang, meine schöne Konkubine«, sagte ich und zog sie auf Tiepolos Sofa.


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